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Über: (nederlands) (english)

Fotografie spielte in den Arbeiten des Künstlers Wim Bosch eine zunehmend wichtige Rolle,
dass sein Wechsel von Malerei zu Fotografie, wenige Jahre nach dem Abschluss an der Akademie
Minerva in Groningen, eine logische Konsequenz war. Ab 2000 beschäftigt er sich ausschliesslich
mit Arbeiten, die er als "fotografisch" bezeichnet. Seine digitalen Fotocollagen sind eine Kombination
von eigenem Fotomaterial, das oft Fassaden, Möbel, Pflanzen oder Landschaftselemente umfasst
, und von einer Sammlung Amateurfotografien aus dem Internet mit überwiegend Menschen,
Tieren und Gegenständen. Den Ansatz eines Bildentwurfs bildet eine bestimmte Idee oder eine
spezielle Situation. Aber auch ein einzelnes, einnehmendes Foto, wie zum Beispiel eine Geste,
ein Aquarium, eine Haarlocke oder eine Fassadenverzierung kann einen Beginn einleiten.

Ganz im Stil der Malerei entstehen die Bilder von Bosch durch Überlagerungen einer anfangs
weissen Bildfläche, wobei immer wieder erneut auf die schon vorliegenden Veränderungen reagiert wird.
So wächst die Arbeit in unterschiedlichen Stadien einer Metamorphose auf das Endergebnis zu, wobei
der ursprüngliche Impuls nicht immer sichtbar bleibt. Mit der Zusammenführung fotografischer
Aufzeichnungen von verschiedenen und zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommenen Orten wird
gewissermaßen ein fiktiver Moment geschaffen, sobald, mit einem einzigen Knopfdruck, alle vorhandenen
Bildebenen zu einer untrennbaren Einheit zusammengeschmolzen werden.
Erst in dem Augenblick wird das eigentliche Foto mit seinen neu formierten und nur dem Foto
eigenen Bildpunkten ins Leben gerufen.

Zeigten seine Arbeiten eingangs noch Räume mit einer getreulichen Perspektive, so ist die Definition
mit der Zeit komplexer geworden. Die Zuschauer werden vor Barrieren gestellt, wie Gardinen, Fenster,
Gestrüpp oder Reflexionen. Grenzen zwischen innen und außen, zwischen Mensch und Ding sind noch
diffuser geworden und laufen stets weiter ineinander über. Seine neuesten Werke strahlen eine eher
barocke Atmosphäre aus, die durch eine bestimmte Mischung aus Licht, Farbe und Textur verwirrend,
fast beklemmend wirkt. Die Fotografien von Bosch bewahren, obwohl sie ein digitales Produkt sind,
eine Art von Natürlichkeit, da sie nirgends perfekt oder glatt sind, sondern eher leicht verschmutzt
mit Pixelresten, die stellenweise durchschimmern.

Seine inszenierte Welt ist merkwürdig flach und eindimensional, jedoch durch alle transparenten
Überschneidungen und Spiegelungen gleichzeitig unbestimmt tief.
Eine ähnliche Zweideutigkeit gibt er seinen Bildelementen, wie zum Beispiel eine offene Tür,
eine Blume oder einen Vogel, die uns auf den ersten Blick verweisen auf eine bekannte Symbolik.
Dieses Versprechen wird jedoch nur teilweise oder überhaupt nicht gehalten durch eine Veränderung
des Kontexts.

Die Fotos von Wim Bosch überbringen keine vorgefertigte Aussagen, sie scheinen uns vielmehr
nach verborgenen Konfrontationen zu leiten, die unsere persönliche Deutung fragen.
In diesem Sinne schliesst seine Arbeit an unseren kontinuierlichen Bemßhungen an,
einen Griff auf die Wirklichkeit, wie wir sie wahrhaben, zu bekommen.